In dem stets regen
Vereinsleben innerhalb der Gemeinde nimmt der
Musikverein “Bauernkapelle e.V.” Trillfingen einen
besonderen Platz ein.
Dies nicht nur,
was seinen wertvollen kulturellen Beitrag in der
Öffentlichkeitsarbeit angeht, sondern wegen des fast
legendären Alters, das der Verein nachweisen kann. Nach
den vorhandenen Unterlagen war die Existenz einer
Musikkapelle schon im Jahre 1764 geschichtlich
nachweisbar.
Lange gab man sich
mit dieser Jahreszahl zufrieden und hat darauf schon
Jubiläumsfeste gefeiert und wurde vom Deutschen
Volksmusikerbund e.V. mit der Bundes-Ehren-Medaille
am Bande ausgezeichnet. Durch Zufall machte
jedoch ein ehemaliges aktives Mitglied eine geradezu
sensationelle Entdeckung. In dem “Hohenzollerischen
Kalender” aus dem Gemeinjahr 1934 fand er eine
Erzählung von H. Eger, Weildorf, “Die Wolfsgrube”.
In ihr wurde geschildert, wie ein Michael Wollensack aus
Trillfingen im Jahre 1679 an einem Wochentage mit
seiner Trompete nach Weildorf ging, um bei der Hochzeit
des Lukas Raible mit der Katharina Schäfer aus
Bittelbronn zum Tanz zu blasen. Es kann als sicher
angenommen werden, daß der Michel Mitglied einer
Trillfinger Blaskapelle war und nur zur Verstärkung der
Weildorfer Spielleute in die Nachbargemeinde ging. Auf
seinem späten Nachhauseweg, so geht die Erzählung
weiter, ist er dann in die Wolfsgrube gefallen und sah
sich dort einem stattlichen Wolf gegenüber. In seiner
Todesangst riß er die Trompete, welche noch am Riemen
auf seinem Rücken hing, an den Mund und blies mit aller
Kraft drauf los. Der Wolf ließ beim ersten Trompetenton,
nach Hundeart, einen winselnden Laut hören und drückte
sich wieder an die Grubenwand. So wurde die Trompete zur
“Waffe”, denn er blies immer wieder schaurige Töne,
wenn der Wolf wieder angreifen wollte, und zwar so
lange, bis Dorfbewohner darauf aufmerksam wurden und er
gerettet werden konnte. Diese Geschichte vom Musikanten
aus Trillfingen, welcher in die Wolfsgrube bei Weildorf
fiel, hat der Verfasser in seinen Grundzügen so
wiedergegeben, wie sie von seinen Vorfahren bei den
abendlichen Zusammenkünften erzählt wurde.
Das Taufbuch der
Pfarrei Weildorf ist noch vorhanden und damit der
Nachweis von der Heirat des Musikanten Michael
Wollensack erbracht, und gleichzeitig kann auf den
Bestand einer Blaskapelle noch vor dem Jahre 1679 geschlossen
werden. Das bisher älteste Dokument, das über das
Bestehen einer Musikkapelle berichtete, war der
Zunftbrief der Schäferzunft Trillfingen aus dem Jahre 1780.
Darin wird erwähnt, daß alljährlich bei dem “Schäferjahrtag”
die Musikanten für ihre Mitwirkung vierzig Kreuzer
erhalten sollen. Es muß sich um vier Musikanten
gehandelt haben, also schon eine kleine Kapelle, da für
andere Dienstleistungen zehn Kreuzer je Person angegeben
wurden. Einen weiteren Beweis lieferte die Renovation
unserer Wendelinuskapelle im Jahre 1965. Dabei
wurde die Ausmalung der Kapelle von 1765 wieder
frei. An der Brüstung zur Orgelempore wurde dabei ein
Trompetenmotiv sichtbar, das die vier Grundinstrumente
einer Blasmusik zeigte.
Nach dem zweiten
Weltkrieg begannen im Jahre 1945 einige Musiker wieder
mit der Probenarbeit. 1960 wurde der Musikverein „Bauernkapelle“
Trillfingen gegründet.
Das musikalische
Wirken des Musikvereins “Bauernkapelle e.V.”
Trillfingen fand seine besondere und verdiente Würdigung
in der Verleihung der Bundes-Ehren-Medaille
am Band, die vom Deutschen Volksmusikerbund im
Jahre 1966 verliehen wurde.
Am 19. Oktober
1975 wurde dem Musikverein „Bauernkapelle“ für
große Verdienste um die Volksmusik vom damaligen
Landrat Dr. Lazi die „Pro
Musica - Plakete“ verliehen.
Zahlreiche
Auslandsauftritte in Frankreich und Österreich
schlossen sich in all den Jahren an und zeigten die
Beliebtheit der „Bauernkapelle“, deren Auftritte
noch heute die Zuhörer begeistern. Dies zeigen
alljährlich die ausverkauften Herbstkonzerte des
Musikvereins Trillfingen.